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Stationär – Ambulant – Digital

By December 16, 2018 January 25th, 2019 No Comments

Das Gesund­heits­we­sen in der Schweiz wird heute in einen ambu­lan­ten und einen sta­tio­nä­ren Sek­tor unter­teilt. Kommt bald ein digi­ta­ler Sek­tor hinzu?

Die Digi­ta­li­sie­rung der Welt ver­än­dert unse­ren All­tag nach­hal­tig. Auch im Gesund­heits­we­sen weckt die digi­tale Revo­lu­tion neue Bedürf­nisse und bringt noch nicht dage­we­sene Her­aus­for­de­run­gen für die Arzt-Pati­en­ten-Bezie­hung mit sich. Die Mehr­heit der Schwei­ze­rin­nen und Schwei­zer haben sich daran gewöhnt rund um die Uhr, orts­un­ab­hän­gig über das Inter­net Lei­stun­gen jeg­li­cher Art zu bezie­hen. Die­ses Bedürf­nis zeigt sich je län­ger je mehr auch im Gesund­heits­be­reich. So steigt die Nut­zung der tele­me­di­zi­ni­schen Ange­bote in der Schweiz dra­stisch. Tele­me­di­zin Cen­ters wie Med­gate und medi24 alleine ver­zeich­nen zusam­men bis zu 8000 Pati­en­ten­kon­takte täg­lich, mit einem geschätz­ten Wachs­tum von rund 10% pro Jahr. Die Digi­ta­li­sie­rung unter­stützt hier klar den Wunsch der Pati­en­ten nach Eigen­ver­ant­wor­tung und mehr Auto­no­mie.

Unter dem Begriff eHe­alth oder elec­tro­nic health ver­ste­hen wir ganz all­ge­mein den Ein­satz von Infor­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gien zur Opti­mie­rung der Infor­ma­tion, Kom­mu­ni­ka­tion und Ver­net­zung ver­schie­de­ner Akteure und Pro­zesse im Gesund­heits­we­sen, dies letzt­lich mit dem Ziel, die Gesund­heit und das Wohl­be­fin­den der Pati­en­tIn­nen – viel­leicht nicht effek­ti­ver aber effi­zi­en­ter – zu erhal­ten oder ver­bes­sern. Die Tele­me­di­zin im enge­ren Sinne ermög­licht die zeit­lich fle­xi­ble und orts­un­ab­hän­gige Erbrin­gung gewis­ser medi­zi­ni­scher Lei­stun­gen. Dazu gehö­ren zum Bei­spiel die medi­zi­ni­sche Bera­tung bei Beschwer­den wie Fie­ber, Husten, Hals- und Rachen­be­schwer­den, Rücken­be­schwer­den, Haut­pro­ble­men oder Bauch­schmer­zen. Dabei wer­den Infor­ma­tio­nen zur Dia­gnose und Behand­lung oder Prä­ven­tion erfasst und über­mit­telt. Tele­me­di­zin umfasst also das Fest­hal­ten von Daten in einem elek­tro­ni­schen Pati­en­ten­dos­sier, die Bereit­stel­lung von Gesund­heits­in­for­ma­tio­nen im Inter­net durch die Nut­zung von mHe­alth (mobile health, also medi­zi­ni­scher Mass­nah­men, die durch am Kör­per getra­gene Geräte und andere draht­los ange­bun­dene Geräte unter­stützt wer­den) oder die digi­ta­len dia­gno­sti­schen, behan­deln­den oder beglei­ten­den Mass­nah­men via Tele­fon oder Inter­net. Apps und Weara­bles fin­den im medi­zi­ni­schen Ver­sor­gungs­pro­zess Ein­gang, die medi­zi­ni­sche For­schung nutzt sie, um neue Ansätze zu testen und Kran­ken­ver­si­che­run­gen füh­ren Anreiz­sy­steme zur Nut­zung die­ser Tools ein.

Es scheint klar, dass die Digi­ta­li­sie­rung des Gesund­heits­be­reichs einen Ein­fluss dar­auf haben wird, wie Pati­en­tIn­nen mit Infor­ma­tio­nen umge­hen wer­den und wie sie in Zukunft mit ihrer Ärz­tin und ihrem Arzt über ihre Gesund­heit kom­mu­ni­zie­ren wer­den. Pati­en­tIn­nen wer­den ihr Ver­hal­ten ten­den­zi­ell von pas­si­ven Emp­fän­gern medi­zi­ni­scher Lei­stun­gen zuneh­mend zu pro­ak­ti­ven, infor­mier­ten und ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ten Teil­neh­mern in der Gesund­heits­ver­sor­gung ver­än­dern. Heute lässt sich wohl noch nicht schlüs­sig sagen, wel­che Aus­wir­kun­gen sich mit­tel- und lang­fri­stig dar­aus erge­ben. Die Ver­mu­tung liegt aber nahe, dass die Nut­zung von eHe­alth-Ange­bo­ten und eine neue Gesund­heits­kom­mu­ni­ka­tion dazu füh­ren, dass sich der bis­he­rige klas­si­sche “Krank­heits­markt” zu einem zuneh­mend par­ti­zi­pa­ti­ven und kun­den­ori­en­tier­ten “Gesund­heits­markt” wan­deln wird. Die Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten sind dann nicht mehr “nur” Emp­fän­ger medi­zi­ni­scher Lei­stun­gen, son­dern gleich­zei­tig auch infor­mierte und des­halb anspruchs­volle Infor­ma­ti­ons­trä­ger, deren Gesund­heits­in­for­ma­tio­nen im Sinne der per­so­na­li­sie­ren Medi­zin in einen ganz­heit­li­chen Behand­lungs­pro­zess mit­ein­flies­sen kön­nen.

Ein Aus­blick in die Zukunft: Obwohl dem wach­sen­den Bedürf­nis der Bevöl­ke­rung nach vor­aus­schau­en­der, ganz­heit­li­cher medi­zi­ni­scher Bera­tung, orts­un­ab­hän­gig und quasi rund um die Uhr, mit tele­me­di­zi­ni­schen Kon­sul­ta­tio­nen gestützt auf per­so­na­li­sierte und digi­ta­li­sierte Gesund­heits­da­ten ent­spro­chen würde, wer­den diese bis­lang in der Schweiz von Arzt­pra­xen noch kaum ange­bo­ten; dies wird sich in den kom­men­den Jah­ren sicher­lich erheb­lich ändern. Den­noch: Ich hoffe, dass die Ärzte der Zukunft wei­ter­hin Men­schen und nicht digi­tale Geräte sein wer­den.